Was ist Heilung – wodurch Heilung geschieht

von Carmen Hirschbeck, Heilpraktikerin  - www.praxis-hirschbeck.com
- Vorabdruck aus dem geplanten Buch: Was ist Heilung? Facetten eines Phänomens - 

 Kennst du das?   - Du hast ein Problem, welches dich sehr belastet und jemand kommt und hört Dir so aufmerksam, so mit Leib und Seele zu, dass du, während du sprichst, plötzlich Dinge sagst, die du vorher nicht einmal gedacht hast. Es kommen dir Möglichkeiten und Lösungen des Problems in den Sinn, die neu sind und in irgendeiner Weise tief aus deinem Inneren aufsteigen oder dich von weither inspirieren.

 Diese Gedanken sind wie Perlen - sie passen für dich so exakt als nächsten Schritt, als Wegweiser, Leuchtstern, wie kein anderer sie für dich hätte finden können.

Michael Ende beschreibt es in seinem weisheitsvollen Buch „Momo“ folgendermaßen:

Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten.

Heilung geschieht…

Heilung geschieht, wenn wir angeschlossen, verbunden sind.

Angeschlossen an unsere „Blaupause“; an etwas, das weiß, wie wir gedacht sind. Es gibt etwas, nenne es Quelle, Höheres Selbst, Geist, das unser ursprüngliches Sein gespeichert hat oder hütet. Wenn wir damit in Berührung kommen, geschieht Heilung.

Unser Körper, sofern er genügend Ressourcen hat, ist gut im Kontakt mit diesem Feld. Dadurch arbeiten unsere Selbstheilungskräfte so hervorragend und zuverlässig.

Wenn der Körper Symptome bildet: wir Schmerzen bekommen oder etwas nicht so funktioniert, wie im gesunden Zustand, dann initiiert der Körper damit die Heilung eines Missstands. Er macht uns aufmerksam und hilft uns oder zwingt uns innezuhalten und zu bemerken, inwieweit wir vom Weg abgekommen sind oder unachtsam mit uns waren.

Heilung geschieht womöglich immer in der Begegnung zwischen dem, was krank ist und einem Gegenüber. Ein Gegenüber welches wahrnimmt, also für-wahr-nimmt, das heißt erkennt, versteht und annimmt. Mitgefühl ist eine sehr wirkmächtige Medizin, auch im therapeutischen Kontext.

Im Mitgefühl, nicht zu verwechseln mit Mitleid, bilden wir eine Art lebendiges Spiegelbild, in dem die Erkenntnis sich bilden kann. Durch Mitgefühl finden wir selbst am schnellsten heraus, was wir gerade brauchen. Ratschläge verfehlen fast immer -mehr oder weniger - das Ziel, da sie aus der Wirklichkeit des Anderen geboren werden und damit nicht hundertprozentig auf den Erkrankten oder Bedürftigen passen.

Eigenes Mitgefühl ist die beste Unterstützung für unsere Selbstheilungskräfte.

Leider müssen wir im Krankheitsfall meistens einen längeren Weg durch Frust, Wut, Scham, Schuld und Trauer zurücklegen, bevor wir beim eigenen liebevollen Mitgefühl ankommen.

Warum? Warum ich? Warum gerade jetzt? sind Fragen, die uns hindern anzunehmen und mitzufühlen. Oft sind sie nicht sehr dienlich, da sie nach rückwärts gerichtet sind und nicht im Hier-und-Jetzt zu den Bedürfnissen blicken, die unseren Heilungsweg fördern.

Die Fragen „was will es mir sagen“ oder „wozu dient mir das in meiner Entwicklung“ sind sehr viel hilfreicher, denn nichts geschieht ohne Sinn. Zeigt sich die wahre Antwort, so fügt sie sich meist wie ein Puzzlestück in das Bild und lässt einen größeren Zusammenhang erkennen, das Bild wird heil.

Durch die Anwendung heilsamer Medikamente geschieht auch eine Art Rückverbindung. Die Signatur, zum Beispiel einer Pflanze oder eines Metalls, kann uns an einen bestimmten Aspekt unseres Seins erinnern. So erinnert uns das Gold an die reine Herzenskraft und kann bei verschiedenem Herzeleid dienlich sein. Das Gänseblümchen ist voller Mitgefühl und Zuversicht und tröstet uns bei Verletzungen.

In der Meditation, im Gebet oder einer anderen spirituellen Praxis, eröffnen wir einen Raum in uns, in welchem wir dem Göttlichen, der Quelle begegnen. Dabei können Heilungsimpulse wirksam werden.

Im therapeutischen Kontext ist für mich das bedingungslose, mitfühlende Hinlauschen mit allen Sinnen, der wichtigste Schlüssel zum Heilungsweg. Wenn ich mit offenen Ohren hin höre, mit unvoreingenommenem Blick wahrnehme, mit den Händen spüre und mit dem ganzen Körper, so etwas wie einen Resonanzkörper bilde, kann im besten Falle eine heilende Kraft wirksam werden.

Wir brauchen einander um zu heilen, um uns, unser Miteinander und auch um die Erde zu heilen.

Geheilt sein, meint auch heil sein, ganz sein. Ganz sind wir, wenn wir mit und durch unseren Körper, unsere Seele und unseren Geist verbunden sind. Wenn wir unsere Bedürfnisse wahrnehmen, auf unser Bauchgefühl hören, unserem Herzen folgen und offen sind, für die Fügungen des Himmels und die Geschenke der Erde.

Heil sein oder gesund sein geht nur in Verbundenheit.