suchterkrankung

Viel zu oft denken Menschen beim Begriff Sucht an Heroin, Kokain und Co. Dabei hat Sucht viele Gesichter mit denen wir täglich konfrontiert sind. Das beginnt schon mit dem Kaffee am Morgen und der Zigarette zum Aufwachen. In der Schule auf dem Pausenhof versammeln sich die Rauchenden auf dem Raucherplatz. Nach dem Mittagessen ein kleines Schnäpschen um die Verdauung anzuregen. Am Nachmittag eine Tablette gegen die Kopfschmerzen von der Arbeit am Computer. Am Ende des Tages dann das verdiente Feierabendbier oder das Gläschen Rotwein. Zum Einschlafen noch eine Schlaftablette damit man morgen wieder in Topform den Alltag bewältigen kann. Und die Arbeitsssucht ist eine  gesellschaftlich durchaus legitime Sucht, denn die Betroffenen zeigen ein durchaus gewünschtes Verhalten wie extreme Leistungsbereitschaft und unablässiges Engagement.

 

Allgemein versteht man unter Sucht eine Erkrankung, die körperliche, seelische und soziale Folgen mit sich bringt. Im Vordergrund steht dabei die Abhängigkeit von einer Substanz (Drogen) oder auch einer Verhaltensweise (Essen, Spielen, Shoppen) um einen bestimmten Zustand (zur Beruhigung, als Belohnung, um wach zu werden) zu erreichen. Im Unterschied zu einer Gewohnheit haben Betroffene einer Suchterkrankung keine Kontrolle mehr über ihr Verhalten und die Abhängigkeit entwickelt sich zu einem Zwang der immer (öfters) wiederholt werden muss. Eine Sucht kann, wie bereits erwähnt, an eine Substanz geknüpft sein, oder aber auch eine zwanghafte Verhaltensweise widerspiegeln. Daher spricht man von stoffgebundener und stoffungebundener Sucht.

 

Bei stoffgebundenen Süchten gibt es eine süchtig machende Substanz die auf das Gehirn in einer bestimmten Art und Weise (z.B. beruhigend oder anregend) einwirkt. Zu diesen Substanzen gehören Alkohol, Nikotin, Cannabis, Heroin, Designerdrogen, etc..
Bei stoffungebundenen Süchten handelt es sich um Verhaltensweisen, die zwanghaft ausgeführt werden um ein Lustgefühl zu erreichen, oder zumindest ein Unlustgefühl zu vermeiden. Zu ihnen gehören Bulimie (Ess-Brech-Sucht), Magersucht, Fettsucht, Kaufsucht/Konsumzwang, Arbeitssucht, Spielsucht, Fernsehsucht, Sexsucht, Computer- und Internetsucht, Sportsucht, Arbeitssucht etc..

 

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) nennt insgesamt sechs Anzeichen, die auf eine Sucht hindeuten können. Sie gelten unabhängig davon, ob das Suchtmittel eine Substanz oder ein spezielles Verhalten ist.

Jeder einzelne der unten angeführten Warnhinweise ist beretis ein deutliches Alarmsignal.
Treffen drei der Sucht-Symptome zu, liegt in der Regel eine Suchterkrankung vor.

 

- Starkes Verlangen:
Wunsch oder Zwang, eine Substanz zu konsumieren oder etwas immer wieder zu tun. Dieses Verlangen kann auch dann stark sein, wenn noch keine körperliche Abhängigkeit vorhanden ist.

- Kontrollverlust:
Suchtkranke können kaum kontrollieren, wann, wie lange und in welcher Menge sie ein Suchtmittel konsumieren.

- Abstinenzunfähigkeit:
Ein suchtkranker Mensch kann oft selbst dann auf „seine Droge“ nicht verzichten, wenn die Sucht bereits schwere gesundheitliche oder soziale Konsequenzen hat.

- Toleranzbildung:
Körper und Geist gewöhnen sich an die Droge. Menschen, die in eine Sucht schlittern, brauchen immer größere Mengen ihrer Droge, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

- Entzugserscheinungen:
Bei einer Substanzabhängigkeit können Entzugserscheinungen wie Schwitzen, Frieren und Zittern sowie starke Gliederschmerzen, Schlafstörungen, Halluzinationen Krampfanfälle und Kreislaufzusammenbruch auftreten. Bei Verhaltenssüchten treten unter anderem Nervosität und Aggressionen auf.

- Rückzug aus dem Sozialleben:
Wer in einer Sucht gefangen ist, verliert das Interesse an anderen Beschäftigungen. Hobbys, soziale Kontakte und selbst der Beruf werden zugunsten des Suchtverhaltens vernachlässigt.

Ebenfalls typische Merkmale einer Sucht sind Schuldgefühle nach dem Konsum sowie Verheimlichung des Suchtverhaltens bis hin zur Leugnung.

 

Der Ausstieg aus einer Sucht ist schwer. Voraussetzungen für den Erfolg sind, dass der Betreffende (an-)erkennt, süchtig zu sein, und motiviert ist, sich von seiner Abhängigkeit zu befreien. Beides ist meist ein großer Schritt – denn die Sucht nimmt einen großen Bereich des eigenen Lebens ein. Die Aussicht, auf die „Droge“ (ob Verhalten oder Substanz) dauerhaft verzichten zu müssen, scheint zunächst meist kaum vorstellbar.

Ziel der Behandlung ist in der Regel die Abstinenz. Wenn diese Hürde (noch) zu hoch ist, beziehungsweise es sich um eine Verhaltenssucht handelt, die Abstinenz unmöglich oder nicht empfehlenswert macht (Sexsucht, Kaufsucht, Internetsucht), kann auch ein kontrollierter Konsum angestrebt werden.

 

Entgiftung

Bei substanzgebundenen Süchten wie Alkohol kann der Entzug für den Patienten gefährlich - sogar lebensgefährlich! - sein. Darum erfolgt er meist unter ärztlicher Aufsicht. Bei weniger schwerer Ausprägung ist das auch ambulant möglich.

Entwöhnung

Nach der Entgiftung kommt die eigentliche Arbeit. Es gilt, die seelische Abhängigkeit in den Griff zu bekommen und Perspektiven für ein Leben ohne die Sucht zu entwickeln. In leichteren Fällen kann das ambulant geschehen, in schwereren Fällen ist ein stationärer Aufenthalt nötig.

In therapeutischen Einzelsitzungen und oft zusätzlichen Gruppensitzungen ergründet der Patient,

  • welche Funktion der Konsum oder das Suchtverhalten für ihn hat,
  • wie diese Bedürfnisse auf andere Weise befriedigt werden können,
  • was die tieferen Suchtursachen sind,
  • wie er Rückfälle vermeiden kann.
  • Außerdem erlernt er neue Strategien beispielsweise zum Umgang mit Stress und Problemen.
  • Hat die Sucht schon Arbeit- und Sozialleben negativ beeinflusst, werden neue Perspektiven entwickelt, um diese wiederaufzubauen.

An die Therapie schließt sich idealerweise eine Stabilisierungsphase an, entweder mit weiteren therapeutischen Kontakten und/oder im Rahmen einer Selbsthilfegruppe.