Psychische Erkrankungen

Psychische Erkrankungen

 

Es ist ein erstaunliches Phänomen, wie wenig unsere westliche Leistungsgesellschaft in der Lage ist, mit psychischen Erkrankungen, die sie zu einem großen Teil durch ihre Anforderungen selber hervorbringt, angemessen umzugehen.

Obwohl die Statistiken belegen, dass psychische Erkrankungen in der Bevölkerung zahlenmäßig ganz oben stehen und inzwischen selbst die Herz- und Kreislauferkrankungen überholt haben, gibt es bis heute keinen offenen und guten Umgang damit.

 

Bis heute wird mit psychisch krank ein vages Bedeutungsumfeld assoziiert, das von verrückt bis psychopathisch reicht. Die Unterschiede zwischen psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder Zwangserkrankungen und wahnhaften Störungen wie einer Psychose, zwischen einem Psychiater und einem Psychologen, zwischen einer sog. 'Irrenanstalt' (Psychiatrie) und psychotherapeutischen Kliniken sind oftmals völlig unklar.
Dazu trägt sicher auch die Berichterstattung der Medien bei, die nach einem Attentat eines geistig verwirrten Menschen von einem psychischen kranken Menschen sprechen. Wer möchte schon gern als unzurechnungs-fähiger Psychopath gelten?

 

Es ist auffällig, wie wenig differenziert und wie wenig mitfühlend manchmal mit Menschen mit psychischen Erkrankungen umgegangen wird. 'Der hat einen Sprung in der Schüssel - der steigt nicht in Straßenbahnen oder Busse...' oder 'Die hat irgend so ein Trauma und schreit auf der Straße herum' sind Aussagen, die von Unwissenheit zeugen und zur Stigmatisierung psychischer Erkrankungen beitragen.

 

In einer Gesellschaft, die rational geprägt ist, die Wert auf Beweisbarkeit und Kausalität legt, ist es mit psychischen Erkrankungen so eine Sache. Dieselbe Krankheit verläuft bei fünf verschiedenen Menschen fünfmal völlig anders. Es können kaum Prognosen für die Heilung gestellt werden, so wie bei einem Beinbruch oder einer Viruserkrankung.

Der Umgang mit psychisch kranken Menschen zeugt von großer Hilflosigkeit und Ohnmacht. An keiner anderen Stelle zeigt sich die Begrenztheit der westlichen Apparate- und Schulmedizin so deutlich wie im Bereich von psychischen und psychiatrischen Erkrankungen.

 

Es muss möglich werden zu sagen: Ich habe eine Angsterkrankung oder eine Depression oder eine Suchterkrankung, daher kann ich dies und jenes nicht tun - ohne sich dafür schämen, rechtfertigen oder entschuldigen zu müssen. Zu oft empfinden Betroffene Schuld dafür, dass ihre Psyche erkrankt ist.

 

Es muss Klarheit darüber herrschen, dass psychisch zu erkranken, nichts mit Schwäche oder Schuld zu tun hat. Dass Menschen, die eine Angsterkrankung oder eine Depression bekommen, nicht Feiglinge oder Schwächlinge sind, sondern sehr mutige Menschen sein können. Dass bestimmte Dinge nicht zu können, nichts mit Nicht-Wollen zu tun hat.

 

Depressionen werden zunehmend gesellschaftsfähiger. Seit einige Prominente offen über ihre Krankheit sprechen, muss eine Depression nicht immer mehr unbedingt geheimgehalten werden. Das Verständnis für Depressive ist insgesamt größer geworden.

 

Angsterkrankungen sind ähnlich wie Zwangserkrankungen weiterhin mit einem Tabu behaftet, mit viel Scham verbunden. Und vielleicht herrscht hierfür in der breiten Bevölkerung auch weitmehr Unverständnis.

Tabus können nur gebrochen werden, wenn das Schweigen aufhört.

 Wenn immer mehr betroffene Menschen es wagen, nach Außen zu gehen und zu sagen: Ja, ich habe eine psychische Erkrankung, na und?

Wenn der Teufelskreislauf aus Angst und Scham und Schuld unterbrochen wird, kann sich etwas verändern. Bei jedem Einzelnen und in der Gesellschaft.

 

Nicht selten sind psychische Erkrankungen ein bestgehütetes Geheimnis. Sie  zwingen Betroffene oft dazu zu lügen, Geschichten zu erfinden, auch wenn sie sonst ehrliche Menschen sind. Wer es wagt, von seiner Erkrankung zu sprechen, läuft Gefahr belächelt zu werden.

 

Es wird Zeit für ein Umdenken.

Die folgende Übersicht über einige psychische Erkrankungen soll eine informative Hilfestellung sein, sie strebt keine Vollständigkeit an und ersetzt nicht den Besuch beim Arzt.